
Bild: Claudia Seibert
Text: Rudolf Gier
Auf dünnem Eis
Ein Jäger, allein unterwegs.
Er ist auf der Suche nach Bären.
Seine Hunde geben alles,
ziehen ihn in die Ferne
und hoffentlich zurück.
Früher erstreckte sich hier
eine gleißend weiße Landschaft.
Tiefblaue Schollen, groß wie Felsen,
klirrend die Kälte und keine Spur
von Schmelzwasser.
Nun spürt der Jäger sie im Gesicht,
die mildere Luft. Der Sommer
kommt früh in diesem Jahr, denkt er.
Seine treuen Hunde ziehen den Schlitten
über die nasse, brüchige Fläche.
Unter der knirschenden Eisdecke
bewegt sich das aufgewühlte Meer.
Die Hunde winseln, die mächtigen Wellen
heben die Kufen – dann lassen sie
das Schlittengespann wieder sinken.
„Etwas stimmt hier nicht“,
sagt der Jäger leise.
„Das große Eis ist krank.“